"Ich brauche nur eine Chance, meine Fähigkeiten zu zeigen"

erstellt von Luisa Jabs | |   Erfolgsgeschichte

Nadeen Sheikh Abdeen hat an der Universität Aleppo einen Bachelor in Bauingenieurwesen (Wasserbau) abgeschlossen. Gerne möchte sie hier in Deutschland eine passende Stelle finden. Wie BeuthBonus+ ihr bei den Vorbereitungen auf die Jobsuche geholfen hat, erzählte sie uns:

Nadeen Sheikh Abdeen hat an der Universität Aleppo einen Bachelor in Bauingenieurwesen (Wasserbau) abgeschlossen. Anschließend hat sie auch sieben Jahre lang in Idlib in diesem Beruf gearbeitet. Gerne möchte sie hier in Deutschland eine passende Stelle finden. Wie BeuthBonus+ ihr bei den Vorbereitungen auf die Jobsuche geholfen hat, erzählte sie uns:

 

Erzählen Sie uns bitte kurz etwas zu Ihrem Hintergrund. Wo haben Sie was studiert? Haben Sie schon vor der Teilnahme am Programm Berufserfahrungen gesammelt?

Ich bin Nadeen Sheikh Abdeen und komme aus Syrien. Ich habe dort Tiefbau studiert und mich auf Wasserbau spezialisiert. In meiner Heimatstadt Idlib habe ich sieben Jahre lang im staatlichen Amt für Wasserversorgung gearbeitet – in der Abteilung Studien und Planung. Ich habe schon Erfahrungen im Projektmanagement gesammelt und auch schon als Mitglied in Kommissionen für Wasserversorgungs- und Abwasserprojekte oder Wasserverteilungssysteme gearbeitet. Leider habe ich in Deutschland bisher noch nicht in meinem Bereich gearbeitet und suche gerade einen Job. Ich interessiere mich für Projekte zur Bewässerung und zur Abwassertechnik. Mein Traum ist es, in Deutschland eine gute Arbeit, passend zu meiner Qualifikation aus Syrien, zu finden.

Wie hat Ihnen die Teilnahme an BeuthBonus+ dabei geholfen, Ihre (beruflichen) Ziele zu schärfen?

Vor der Teilnahme waren meine Vorstellungen von der Jobsuche und Bewerbungsgesprächen in Deutschland anders. Ich hatte eigentlich keine Ahnung, wie das abläuft. In Syrien wurde ich direkt nach meinem Abschluss im staatlichen Amt angestellt. Wir mussten uns nicht bewerben, daher waren Vorstellungsgespräche für mich neu. Ich habe bei BeuthBonus+ gelernt, was den Arbeitgebern wichtig ist. Durch die Teilnahme habe ich verstanden, wie das berufliche Leben hier in Deutschland funktioniert. Ich habe mir wichtige Fragen gestellt: Was brauche ich? Und wie kann ich mich entwickeln? Jetzt weiß ich, auf welche Dinge ich meinen Fokus legen muss. Seit der Teilnahme bin ich viel selbstbewusster und vertraue auf meine Fähigkeiten. Vorher habe ich mich nur auf meine Schwächen konzentriert: Ich habe mir Sorgen gemacht wegen der Sprache, obwohl ich ein C1-Niveau in Deutsch habe. Bei der Fachsprache stoße ich manchmal auf Schwierigkeiten. Aber jetzt habe ich den Mut, zielstrebiger zu sein. Ich dachte, ich müsste noch etwas Neues studieren oder hier eine Ausbildung machen. Jetzt weiß ich, dass ich wieder in meinem Bereich arbeiten kann und will.

Welches BeuthBonus+-Modul war Ihr Lieblingsmodul?

Besonders gut für mich war das Modul „Zeit- und Selbstmanagement“. Denn durch dieses Modul habe ich gelernt, wie ich gut mit Stress umgehen kann. Sowohl im Alltag als auch bei der Arbeit. Das betrifft mich als Mutter besonders. Durch richtige Planung kann ich das Wichtigste in kurzer Zeit erledigen. Ich versuche immer noch umzusetzen, was unsere Dozentin, Frau Schnar, uns beigebracht hat. Ich habe die Hinweise sogar an meine Kinder weitergegeben. Das wichtigste ist, dass man alles unter einen Hut bekommt: Ich gebe meinen Kindern Zeit, wenn sie zuhause sind. Wenn sie aber in der Schule oder nicht zuhause sind, kann ich lernen und mir Zeit für mich selbst nehmen. Für mich ist Multitasking kein Problem, ich kann mehrere Dinge gleichzeitig erledigen.

Was ist der beste Tipp, den Sie durch Ihre Teilnahme erhalten haben?

Der beste Tipp ist, dass Soft Skills auf dem Markt sehr wichtig sind. Nicht nur das Wissen ist enorm wichtig in Deutschland: Genauso wichtig ist es, gut mit Stress und Menschen umgehen zu können. Und, dass man im Team arbeiten kann.  Das war mir vorher nicht bewusst. Ich habe auch Tipps bekommen, wie ich meinen Lebenslauf besser gestalten und solche Informationen einbringen kann. Ich habe meine Bewerbungsunterlagen seither überarbeitet. Herr Klußmann hat mich in den Einzelcoachings dazu beraten, worauf es im Bewerbungsgespräch ankommt. Er hat mich auch darauf vorbereitet, welche wichtigen Fragen gestellt werden könnten.

Wie ging Ihr beruflicher Weg nach der Teilzeitqualifizierung weiter?

Herr Klußmann hat mir schon während des Programms interessante Stellenangebote gezeigt. Ich habe hier noch nicht gearbeitet, mich aber bei verschiedenen Firmen beworben und werde mich auch weiter bewerben. Mein Abschluss ist von der Baukammer Berlin anerkannt und ich würde gerne bei den Berliner Wasserbetrieben arbeiten. Ich bin überzeugt, dass das mein Bereich ist und ich meine Fähigkeiten dort zeigen kann. Ich hatte auch schon ein Bewerbungsgespräch bei den Berliner Wasserbetrieben. Das war aber leider online und deshalb hat es, denke ich, nicht geklappt.

Wie ist das für Sie, als Frau in Ihrer Branche zu arbeiten? Gab/Gibt es da Unterschiede zwischen Syrien und Deutschland?

In Deutschland habe ich ja noch nicht gearbeitet, aber ich stelle es mir schon ein wenig anders vor. In Syrien konnte ich sowohl im Büro als auch im Projekt vor Ort arbeiten. Manchmal war ich Kommissionsmitglied, manchmal Projektleiterin. Obwohl ich damals zwei kleine Kinder hatte, habe ich alle meine Aufgaben erledigt und war sehr glücklich. Hier in Deutschland brauche ich nur eine Chance, meine Fähigkeiten zu zeigen. Ich bin lerninteressiert und bereit, als Praktikantin oder Trainee einzusteigen. Ich habe mich bei verschiedenen Firmen beworben, aber bisher hat mich noch niemand aufgenommen. Ich will es aber weiter versuchen.

Was hat Ihnen dabei geholfen, sich ein privates und/oder berufliches Netzwerk in Deutschland aufzubauen?

Sofort als ich in Deutschland angekommen bin, habe ich damit begonnen, die Sprache zu lernen. Ich bin mir sicher, dass die Sprache der Schlüssel zu jedem Land ist. Dank Freiwilliger, die die Sprache unterrichtet haben, konnte ich mein Sprachniveau verbessern. Meine Kinder haben in der Schule viele Freunde gefunden und mit deren Eltern konnte ich mich treffen und austauschen. Mein Mann arbeitet als Kfz-Prüfingenieur und über ihn und sein Netzwerk konnte ich weitere Menschen kennenlernen. Bei BeuthBonus+ haben wir eine WhatsApp-Gruppe erstellt, in der wir uns immer noch fast jeden Tag austauschen.

Was ist Ihr Plan für die Zukunft?

Ich will wirklich in Deutschland arbeiten. Ich bin eine Frau, die kämpfen kann, ich komme aus dem Kriegsgebiet. Und ich will unbedingt in Deutschland eine Chance bekommen, meine Fähigkeiten zu zeigen. Ich habe in Syrien sieben Jahre lang gearbeitet und bin daran gewöhnt. Ich möchte Deutschland etwas zurückgeben, denn durch die Menschen hier habe ich viel gelernt. Sie haben uns sehr geholfen. Ich werde mich weiter bewerben und nicht aufgeben.

 

Vielen Dank, Frau Sheikh Abdeen. BeuthBonus+ wünscht viel Erfolg bei zukünftigen Bewerbungen!

Das Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)" wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert

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