"Beruf ist wichtiger Teil der Identität eines Menschen" - Rückblick auf die Förderphase 2019-2022 im IQ Netzwerk Berlin

erstellt von Heike Kühn | |   Neuigkeit

Bei der Abschlussveranstaltung des IQ Netzwerkes Berlin trafen sich heute viele Vertreter*innen der Projekte, Mitarbeitende des IQ Netzwerkes Berlin, die Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Katja Kipping und auch Katarina Niewiedzial, Beauftragte des Senates von Berlin für Integration und Migrationsowie viele weitere Diskussionsteilnehmer*innen.

Heute fand die Abschlussveranstaltung des IQ Netzwerkes Berlin statt. Im Fokus standen einerseits der Rückblick auf die Highlights und Herausforderungen der Projekte innerhalb der Förderphase von 2019-2022 und auch die Frage, was Berlin braucht, hinsichtlich der Anerkennung von Fachkräften für eine erfolgreiche Teilhabe am Arbeitsmarkt in der Migrationsgesellschaft?

Dr. Weronika Priesmeyer-Tkocz von der Europäischen Akademie Berlin moderierte charmant durchs Programm. Katja Kipping, die Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales des Landes Berlin, gab den Auftakt mit Begrüßungsworten. Anschließend wurden von Frau Birgit Gust die Bereiche des IQ Netzwerkes: Anerkennungsberatung, Faire Integration und Qualifizierung mit dazugehörigen Projekten benannt und Erfolgszahlen berichtet. Frau Anna Stahl-Czechowska vervollständigte den Überblick mit den strukturell angelegten Projekten, die beispielsweise zur Fachkräftegewinnung- und bindung bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) ansetzen oder zur Vernetzung dienen.

Anschließend konnten Vertreter*innen aus Teilprojekten des IQ Netzwerkes Berlin, der Verwaltung, Einrichtungen und Vereine, die im Bereich der Migration und Integration in Berlin tätig sind, zu Wort kommen. In dieser Runde nahmen teil:

·         Uemit Akyuez, TBB Türkischer Bund Berlin-Brandenburg e.V.
·         Débora Alves de Alcantara, internationale Fachkraft, Teilnehmerin der Qualifizierung „CHANGE – Arbeiten in Zeiten des Klimawandels“ / LIFE Bildung Umwelt Chancengleichheit e.V.
·         Christoph Gertzen, Landesamt für Gesundheit und Soziales
·         Carina Halbeck, Ülkü Sinac, Agentur für Arbeit Berlin Süd
·         Henning Kruse, Arbeit und Leben Berlin-Brandenburg DGB/VHS e.V.
·         Dagmar Laube, LIFE Bildung Umwelt Chancengleichheit e.V.
·         Julia Merian, Club Dialog e.V.
·         Anna Nowodworska, INBAS GmbH
·         Laura Sajeva, La Red – Vernetzung und Integration e.V. 
 

Neu war, dass Fachkräfteeinwanderung auch mittels einer Social-Media-Strategie unterstützt wird. Über Facebook wird beispielweise eine Aufsuchendenberatung zu Anerkennungsthemen durchgeführt. Gelobt wurde die gute und enge Zusammenarbeit zwischen den Teilprojekten des IQ Netzwerkes Berlin. Auch der Austausch zwischen dem Landesamt für Gesundheit und Soziales mit den Mitarbeiter*innen der Anerkennungsberatung findet in regelmäßigen Treffen statt. Die Agentur für Arbeit bietet Messen und Veranstaltungen für Menschen mit Migrationshintergrund an. Zum Beispiel den „Markt der Möglichkeiten“. Frau Kipping zog aus den Beiträgen im Bereich der Anerkennungsberatung das positive Fazit, dass alle an einem Strang ziehen und sich ergänzen.

Wissenslücken der Zugewanderten zum Arbeitsrecht müssen gefüllt werden damit kein Missbrauch stattfindet. So sei es, laut Henning Kruse (Arbeit und Leben Berlin-Brandenburg e.V.), einerseits wichtig, den Betroffenen bei arbeitsrechtlichen Themen wie zum Beispiel Überstunden, Urlaub, Kündigungsschutz etc. Wissen zu vermitteln aber auch die Schulung und Sensibilisierung der Arbeitgeber zum fairen Umgang mit den Mitarbeitenden durchzuführen.

Innerhalb der folgenden Podiumsdiskussion erklärte Dr. Christian Pfeffer-Hoffmann von der IQ Fachstelle Einwanderung, dass wachsende Abwanderungs- und sinkende Zuwanderungszahlen in den letzten Jahren verstärkt zum Fachkräftemangel beitragen würden. Dies sei durch schlechte Bedingungen hier in Deutschland verursacht. Viele gut ausgebildete Zugewanderte würden in Helferjobs landen oder von Arbeitgebern ausgenutzt werden. Eine Stellschraube an der gedreht werden könne, ist das Bremsen der Abwanderung von bereits nach Deutschland zugewanderten Fachkräften. Um einen Verbleib dieser Menschen zu erreichen, müsse der Diskriminierung und der Prekarisierung entgegengewirkt werden.

Zum Thema „Anerkennung von Fachkräften“ sprach Yvonne Hertog vom Deutschen Herzzentrum Berlin über die sprachlichen Herausforderungen der Mitarbeitenden. Sie ist die Fachbereichsleitung im Bereich Internationale Pflegekräfte und sagt, dass viele eingewanderte Pflegekräfte sehr gut ausgebildet seien aber nicht gut Deutsch sprechen. Mit dieser Sprachbarriere könnten sie ihr Knowhow nicht umfassend transportieren. Mangelnde Sprachkenntnisse der Pflegekräfte würden bei Patienten oder Patientinnen unter Umständen die Angst erzeugen, nicht richtig behandelt zu werden und bei Teamkolleg*innen das Gefühl von mangelnder fachlicher Kompetenz vermitteln.

Es wurde eingeworfen, dass Berlins Bevölkerung 37 % Migrationshintergrund hat und dieser Anteil auch in den staatlichen Institutionen und öffentlichen Einrichtungen erreicht werden sollte bzw. die Diversität dort deutlich erhöht werden müsse.

Für eine Willkommenskultur seinen flexiblere (Anerkennung-)Gesetze nötig und auch ein Integrationsprozess in dem beraten, qualifiziert und begleitet wird – und der nicht plötzlich endet.

Dr. Pfeffer-Hoffmann kritisierte die Arroganz der Deutschen, die denken, dass "unsere Berufsausbildung hier die beste wäre". Der Beruf sei Teil der Identität des Menschen. Dies sollte bei einer bildungsadäquaten Integration berücksichtigt werden.

Christoph Gertzen, vom Landesamt für Gesundheit und Soziales, erweiterte das Bild und gab zu Bedenken, dass auch die Zeit des Anerkennungsverfahrens Teil der Integration sei.

Final wurden die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion darum geben jeweils einige Stichworte zu nennen die sie für wichtig erachten bei der Migrations- und Integrationsarbeit:

·         Vernetzung
·         enge Zusammenarbeit
·         kurze Wege
·         Perspektivwechsel („wir müssen uns bewegen“ Katarina Niewiedzial, Beauftragte des Senates von Berlin für Integration und Migration)
·         Offenheit und Vertrauen
·         Respekt, Partizipation, durchgehende Entwicklungsangebote
·         Zugewanderte umfassend willkommen heißen
 

Das BeuthBonus+ Team hat diesen interessanten Beiträgen mit Freude zugehört und bedankt sich herzlich für die Einladung zur Abschlussveranstaltung!

Rückblick in die IQ Förderphase 2019-2022 mit Katja Kipping; Copyright: Heike Kühn
Dr. Christian Pfeffer-Hoffmann, IQ Fachstelle Einwanderung; Copyright: Tauland Goge
Vorstellung von Projekten und Trägern; Copyright: Tauland Goge
Podiumsdiskussion; Copyright: Tauland Goge
Ein Ausblick von Katarina Niewiedzial, Beauftragte des Senates von Berlin für Integration und Migration; Copyright: Heike Kühn

Das Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)" wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert

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