Vom Boden zum Bewusstsein. Globale Ernährungsgerechtigkeit
Seit dem Wintersemester 2025/26 ist die HACKademy in einem weiteren Modul präsent: dem „Berlin Open Lab – Co-Creation und Prototyping mit Stadtakteur*innen“. Unterstützt durch die Lehrbeauftragte Barbara Uhde arbeiteten die Studierenden in diesem Rahmen mit dem Weltacker Berlin e. V. zusammen. Ziel der Kooperation war die Entwicklung und Durchführung mehrerer Aktionstage rund um das Thema „Vom Boden zum Bewusstsein. Globale Ernährungsgerechtigkeit“. Neben kreativen Installationen zu nachhaltiger Landwirtschaft, gesunden Böden, Intensivtierhaltung, Lebensmittelverschwendung und gesunder Ernährung entstand ein Begleitprogramm, das die komplexen Zusammenhänge anschaulich erfahrbar machte.
Der Weltacker Berlin e. V. ist ein gemeinnütziger Verein, der Menschen jeden Alters für globale Landwirtschaft, Ressourcengerechtigkeit, Ökologie und Ernährungssouveränität sensibilisiert. Seit 2014 zeigt der Verein auf einer 2.000 m² großen Fläche exemplarisch, wie unser Konsum- und Ernährungsverhalten die natürlichen Ressourcen weltweit beeinflusst. Diese 2.000 m² entsprechen rechnerisch der Ackerfläche, die jedem Menschen global zur Verfügung steht. Auf dieser Fläche muss jedoch nicht nur Nahrung angebaut werden, sondern auch Rohstoffe für Textilien (z. B. Baumwolle), Biodiesel, Zierpflanzen sowie Genussmittel wie Hopfen für Bier oder Tabak.
Die Challenge: Globale Ernährungsgerechtigkeit sichtbar machen
Der Weltacker Berlin e. V. leistet berlinweit wichtige Bildungsarbeit zu nachhaltiger Landwirtschaft und Ernährungsgerechtigkeit. In diesem Kontext entwickelt der Verein aktuell eine Wanderausstellung, die die Themen des Weltackers auf kreative Weise vermitteln soll. Die Aufgabe für die HACKademy-Studierenden bestand darin, geeignete Ausstellungsstücke zu entwerfen und diese im Rahmen von drei Aktionstagen in den Räumlichkeiten der BHT zu präsentieren. Ergänzt wurden die Installationen durch ein Programm aus Workshops, einer Filmvorführung und einem Pub-Quiz, die ebenfalls von den Studierenden konzipiert und durchgeführt wurden.
Neue Einblicke auf dem Acker
Nach einer thematischen Einführung erhielten die Studierenden im Austausch mit den Berliner Startups Roots Radicals und CINSoil sowie mit dem Projektpartner Impact Hub Berlin Einblicke in unterschiedliche Ansätze nachhaltiger Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion. Roots Radicals verarbeitet beispielsweise vermeintlich unperfekte Lebensmittel zu Fermenten, Marmeladen und Pasten und trägt so aktiv zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung bei. Die Studierenden erfuhren unter anderem, warum genießbare Lebensmittel von der Agrarindustrie aussortiert werden und welche Handlungsmöglichkeiten Verbraucher*innen haben.
Im weiteren Verlauf des Semesters lernten die Studierenden die Arbeit des Weltacker Berlin e. V. intensiver kennen. Nach einem theoretischen Überblick folgte ein Besuch des Weltackers im Norden Pankows. Vor Ort konnten sich die Studierenden auf 2.000m2 einen Überblick verschaffen über die global angebauten Nutzpflanzen, von Weizen und anderem Getreide über Hülsenfrüchte bis zu Baumwolle. Auf dem Weltacker werden diese im gleichen Verhältnis wie im globalen Durchschnitt angebaut.
Dabei wurde auch der Zusammenhang zwischen individuellem Konsumverhalten, Landwirtschaft sowie den Auswirkungen auf Umwelt und Klima deutlich.
Anschließend folgten Ideathon und HACKathon, in denen die Studierenden Ideen für Ausstellungsstücke entwickelten, testeten und umsetzten. Nicht jede Idee führte direkt zum Ziel, doch am Ende des Semesters konnte jede Gruppe eine eigene Installation im Rahmen der Aktionstage präsentieren.
Die Ergebnisse im Überblick
- Textiler Überblick: Aus Stoffresten entstand durch Färben, Nähen und Sticken eine maßstabsgetreue textile Darstellung des Weltackers in Berlin-Pankow
- Was auf den Teller kommt: Ein übergroßer Teller visualisiert die Planetary Health Diet (PHD) und zeigt die empfohlenen Anteile der einzelnen Lebensmittelgruppen
- Waste Board: Eine Magnettafel für den Kühlschrank hilft dabei, die eigene Lebensmittelverschwendung zu dokumentieren und zu reflektieren
- Die Ernte der Zukunft: Eine 3D-gedruckte Roboterhand als symbolischer „Erntehelfer“ verdeutlicht die zunehmende Technologisierung der Landwirtschaft und das Potenzial robotischer Systeme
- Adoptier einen Baum: An zwei Stationen konnten Besucher*innen Experimente durchführen und mehr über verschiedene Bodentypen sowie deren Wasserspeicherkapazität erfahren
- Was kostet ein Leben?: Eine lebensgroße Kuh aus OSB-Platten und begleitet durch Protestschilder macht die Auswirkungen der Intensivtierhaltung auf Umwelt, Klima und menschliche Gesundheit sichtbar
- Die BHT hat Müllti-Talente: Eine Installation aus Mülltonnen, Protestschildern und interaktiven Elementen lädt dazu ein, sich mit Lebensmittelverschwendung in privaten Haushalten auseinanderzusetzen
- Fläche schmeckt man nicht: Der Speiseplan der BHT wird mit dem Flächenverbrauch der Gerichte verknüpft und durch aufgesprühte Rechtecke auf den Außenflächen vor der Mensa visualisiert
- Was wächst an der Hochschule?: Poster stellen Forschungsprojekte der BHT vor, die sich mit technischen Lösungen für eine nachhaltige Landwirtschaft beschäftigen
Alle Installationen thematisierten nicht nur bestehende Herausforderungen, sondern zeigten zugleich innovative Lösungsansätze und Handlungsmöglichkeiten auf.







