Kreative Ansätze gegen Müll im öffentlichen Raum
Müll im öffentlichen Raum ist eine große Herausforderung in vielen Berliner Stadtteilen. Die Ursachen reichen von Ignoranz und fehlendem Wissen über illegal abgeladene Gewerbeabfälle und Wildtiere, die Mülleimer durchsuchen bis zu achtlos feiernden Menschen. Die Herausforderungen können sich von Kiez zu Kiez sehr unterscheiden.
Im Sommersemester stellten wir uns daher gemeinsam mit Studierenden in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Berlin Mitte, der Berliner Stadtreinigung und der Weddinger Clean-Up Initiative „Sauberer Sprengelkiez“ die Frage, wie Müll im öffentlichen Raum im Wedding ganz ortsspezifisch reduziert und vermieden werden kann.
Dabei rausgekommen sind vier kreative Prototypen, die im Weddinger Sprengelkiez eine Woche lang ausgetestet und anschließend analysiert wurden. Die Interventionen ermöglichen Einblicke und Erkenntnisse in die Komplexität des Themas und verdeutlichen, dass es neue, kreative und ganz individuelle Ansätze und die Zusammenarbeit aller wichtigen lokalen Akteur:innen bedarf, um nachhaltige Lösungen zu entwickeln.
Neue Potentiale durch Kooperation von Wissenschaft und Praxis
Die Initiative „Sauberer Sprengelkiez“ ist seit 2022 aktiv und organisiert regelmäßig Clean-Ups und beteiligt sich an weiteren Formaten rund um Müllvermeidung im Bezirk Mitte. Das Bezirksamt Berlin Mitte und die Berliner Stadtreinigung setzen sich auch vermehrt dafür ein, neue Wege bei der Bekämpfung von Müll im öffentlichen Raum auszutesten. Durch die Kooperation im Rahmen der HACKademy zeigt sich das besondere Potential des Formats: Studierende aus verschiedensten Studiengängen bringen unterschiedliche Perspektiven und Ansätze mit, unsere Praxispartner unterstützen bei der Entwicklung von Lösungsansätzen durch ihr Fach- und Ortswissen. Ko-produktiv entstehen kreative Ideen für ganz konkrete Herausforderungen.
Nach einem thematischen Input unserer drei Praxispartner besichtigten wir die zwei vorher ausgewählten Orte für die spätere Erprobung der Prototypen gemeinsam mit der Initiative Sauberer Sprengelkiez. Dabei lernten die Studierenden die Vielschichtigkeit des Müllproblems im Kiez kennen.
Im Laufe des Semesters wurden zahlreiche Ideen für die beiden Orte entwickelt und gemeinsam mit unseren Praxispartnern weiterentwickelt. Durch einen Design Thinking Prozess wurden zunächst 104 Ideen gesammelt und in Feedbackrunden zu vier konkreten Konzepten und folglich zu vier Prototypen entwickelt. Im Bauprozess lernten die Studierenden die verschiedensten Werkzeuge und Möglichkeiten der GLASBOX als Offene Werkstatt der BHT kennen. In der Auseinandersetzung mit Materialien und Ressourcenschonung entstanden die Prototypen aus Europaletten bis hin zu gebrauchten Metallkisten und zweckentfremdeten Baumaterialien.
Die Ergebnisse im Überblick
- Pfandstation: eine primär aus Europaletten geschaffene Sammelstation für Pfandflaschen inkl. Informationstafel und Sammelspiel für Kronkorken
- Tauschbox: eine lackierte und mit Piratenmotiv bemalte alte Metallkiste kam auf dem Spielplatz auf dem Sparrplatz zum Einsatz als Möglichkeit zum Tauschen von Kinderspielsachen, Kinderkleidung und anderen Kindersachen
- Tierischerer Mülleimer: ein aus Metall geformter „Überzug“ für offene Mülleimer, der gegen Wildtiere wie Vögel und Ratten schützt und gleichzeitig eine einfache Möglichkeit zum Einwerfen von Pizzakartons und anderen sperrigen Gegenständen ermöglicht
- Müllzaun: ein aus einem Staketenzaun aus dem Gartencenter weiterentwickelter Zaun, der Baumscheiben und die Bepflanzung darauf vor umherfliegendem Müll schützt




